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Dr. Josef Schuster neuer Präsident des Zentralrats der Juden
– Mark Dainow und Abraham Lehrer neue Vizepräsidenten

 

Dr. Josef Schuster ist am Sonntag in Frankfurt am Main für vier Jahre zum neuen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt worden. 1954 in Haifa/Israel geboren, leitet Dr. Schuster seit 1998 die Israelitische Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken und war seit 2010 Vizepräsident des Zentralrats der Juden.

Nach seiner Wahl erklärte Dr. Schuster: „Die jüdische Gemeinschaft ist ein Teil dieser Gesellschaft. Wir möchten auch in Zukunft das Leben in Deutschland mitgestalten. Der Zentralrat ist der Dachverband der 108 jüdischen Gemeinden. Wir wollen aber nicht ein Dach sein, das irgendwo über den Gemeinden schwebt. Sondern ein gutes Dach muss mit dem Rest des Hauses fest verbunden sein. Die Gemeinden bilden unser Fundament.“
Als neue Vizepräsidenten wurden Mark Dainow aus Offenbach und Abraham Lehrer aus Köln gewählt. Der bisherige Präsident Dr. Dieter Graumann und der bisherige Vizepräsident Prof. Dr. Salomon Korn hatten nicht mehr kandidiert.

Neue Mitglieder im Präsidium des Zentralrats der Juden sind Vera Szackamer aus München und Milena Winter aus Berlin.

Am Sonntag war in Frankfurt am Main die Ratsversammlung des Zentralrats der Juden zusammengetreten. Die Delegierten wählten aus ihrer Mitte für die Dauer von vier Jahren drei Mitglieder in das Präsidium des Zentralrats. Das Direktorium wählte anschließend die weiteren sechs Mitglieder des Präsidiums. Danach fand im Präsidium die Wahl des Präsidenten und der beiden Vizepräsidenten statt.
Frankfurt a. M./Berlin, 30. November 2014 / 8. Kislew 5775

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Der neue Präsident Dr. Josef Schuster (mitte) mit den neu gewählten
Vizepräsidenten Mark Dainow (links) und Abraham Lehrer (rechts).
Foto: Thomas Lohnes
   
   
Applaus für den scheidenden Präsidenten Dr. Dieter Graumann nach
seiner Rede bei der Ratsversammlung. Foto: Thomas Lohnes
   
   
Der scheidende Präsident Dr. Dieter Graumann während seiner Rede
bei der Ratsversammlung. Foto: Thomas Lohnes
   
 
 
 
Gewählt: Josef Schuster ist neuer Zentralrats-Präsident
  Die Freude ist Josef Schuster (60) anzusehen: Der bisherige Vize ist am Sonntag in Frankfurt zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt worden. Der Arzt aus Würzburg tritt die Nachfolge von Dieter Graumann (64, Frankfurt) an, der sich aus privaten Gründen nicht mehr zur Wiederwahl stellte. Neue Vizepräsidenten sind Abraham Lehrer (Köln) und Mark Dainow (Offenbach).    


Blitzlichtgewitter von Fotografen und Kameraleuten, als Schuster um 17 Uhr mit seinen Stellvertretern im Ignatz-Bubis-Zentrum, dem Sitz der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, zur Pressekonferenz erscheint und das erwartete Ergebnis der Wahlen verkündet. Einstimmig hätten die Gremien des Zentralrats ihre Entscheidungen getroffen, sagt Schuster auf Nachfrage. Und: Dem neunköpfigen Präsidium gehören erstmals vier Frauen an, „damit erfüllen wir die Frauenquote“.

 Der neue Präsident kündigt an, er werde, „wann immer es notwendig ist“, öffentlich gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit Stellung beziehen, so wie er es bereits in der Vergangenheit getan habe, in der Beschneidungsdebatte oder als im Sommer bei Demonstrationen gegen die israelische Politik in Gaza judenfeindliche Parolen laut wurden. weiter:

   
   

Main-Post. Michael Czygan

   
 
 


Zwei junge orthodoxe Rabbiner wurden in Würzburg feierlich ordiniert

– Festakt mit vielen prominenten Gästen

   
 
03.11.2014      

Zwei Absolventen des Rabbinerseminars zu Berlin sind am Montag (3. November) feierlich in Würzburg ordiniert worden. Der 25-jährige Rabbiner Shlomo Aminov wird künftig in der Synagogengemeinde Bonn, der 27 Jahre alte Rabbiner Jakov Pertsovsky in Chemnitz tätig sein.

Bei der Ordination, die gemeinsam vom Zentralrat der Juden in Deutschland und dem Rabbinerseminar im Jüdischen Gemeindezentrum „Shalom Europa“ ausgerichtet wurde, wies der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, auf die zahlreichen Aufgaben hin, die ein Rabbiner hat. Den beiden Absolventen gab er einen Leitgedanken des berühmten Würzburger Rabbiners Seligmann Bär Bamberger mit auf den Weg: modern zu sein, aber dem traditionellen Judentum verpflichtet. Mit festen Wurzeln in ihrem Glauben und der Tradition, aber nicht von der Welt abgewandt, sollten die Rabbiner sein, sagte Dr. Schuster.

Dr. Schuster, der auch Mitglied im Kuratorium des Rabbinerseminars ist, betonte den hohen Bedarf der jüdischen Gemeinden in Deutschland an Rabbinern. „Sie beide werden mit dazu beitragen, dass sich fast 70 Jahre nach dem Ende der Shoah das blühende jüdische Leben in Deutschland weiter etabliert.“

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, sagte, das Wichtigste sei die jüdische Erziehung. Junge Menschen müssten inspiriert werden. Solange es noch Orte gebe, an denen jüdische Kindergärten und Schulen nicht vorhanden seien oder nicht alle junge Juden in den Genuss jüdischer Erziehung kommen könnten, sei noch nicht genug getan.

Der Oberbürgermeister von Würzburg, Christian Schuchardt, brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Ordination in Würzburg stattfinde. „Das zeigt, dass jüdisches Leben wieder ein fester und anerkannter Bestandteil des Lebens in unserer Stadt ist.“

Georg Eisenreich, Staatssekretär im bayerischen Kultusministerium, überbrachte die Grüße der bayerischen Landesregierung. Er betonte, dass Rabbiner heutzutage die Werte und Traditionen des Judentums nach innen und außen vermitteln müssten. Dadurch trügen sie wesentlich zur Verankerung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Deutschland bei und förderten Verständnis und Toleranz innerhalb unserer Gesellschaft.

Aus den Händen von Rabbiner Pinchas Goldschmidt nahmen die beiden Absolventen schließlich ihre Ordinationsurkunden entgegen. Die Ordination zeige, dass das Judentum in Deutschland nicht nur den brutalsten Angriff der menschlichen Geschichte überlebt habe, sondern soweit gediehen sei, Nachkommen hervorzubringen. „Deutsche Juden sind kein Museumsartefakt oder eine bestimmte seltene Gattung in einem Zoo. Die Vitalität der jüdischen Gemeinschaft hier ist tief verwurzelt in der bedeutenden deutschen jüdischen Tradition des Aschkenaz, mit beiden Beinen in einem modernen demokratischen und wiedervereinigten Deutschland“, sagte der Präsident der Konferenz Europäischer Rabbiner und Kuratoriumsvorsitzende des Rabbinerseminars.

Ihren Segen erhielten Rabbiner Aminov und Rabbiner Pertsovsky vom stellvertretenden Vorsitzenden von Agudath Israel of America, Rabbiner Chaim Dovid Zwiebel.

Der berühmte New Yorker Kantor Joseph Malovany sorgte mit wunderbarem Gesang für eine sehr feierliche Stimmung im Festsaal des Gemeindezentrums „Shalom Europa“.

Die Schlussworte waren Rebbetzin Rachel Pertsovsky vorbehalten. Sie bezeichnete es als Chance, die Frau eines Rabbiners zu sein. Es gehe darum, einen Beitrag zur heutigen Gesellschaft zu leisten und jüdische Jugendliche zu inspirieren. „Wir möchten jüdische Bürger auf ihrem Weg zur jüdischen Tradition begleiten“, sagte die junge Rebbetzin.

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Ordiniert: Shlomo Aminov (l.) und Jakov Pertsovsky
Foto: Thomas Lohnes
   
   
Aus den Händen von Rabbiner Pinchas Goldschmidt erhielten
die beiden Absolventen ihre Zertifikate. Foto: Thomas Lohnes
   
   
Der Präsident des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder.
Foto: Thomas Lohnes
   
   
Feierliche Ordination: Ronald S. Lauder, Shlomo Aminov,
Jakov Pertsovsky und Josef Schuster. Foto: Thomas Lohnes
   
   
Dr. Josef Schuster, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, bei seiner Rede.
Foto: Thomas Lohnes
 
 
 

Die Hilfe vom ganzen Herzen
   

Im November vorigen Jahres gaben auf Initiative der Diözese Würzburg die berühmte Violinistin Ella Bulatova, Mitglied der Israelitischen Gemeinde Würzburg, und die Organistin aus Frankreich Marianne Levy Noisette ein Benefizkonzert in der Marienkapelle zugunsten des Jüdischen Museums Shalom Europa.

Die Musikerinnen brachten zu Gehör die Werke von Johann Ludwig Krebs, Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude, Jules Massenet, Jean Langlais, Sergei Rachmaninoff und Francois Francoeur. Der musikalische Auftritt war ein großer Erfolg, die Spenden machten ganze Eintausend- vierhundert Euro aus.

Am 19. Dezember 2012 überreichte Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand dem Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde Würzburg, Dr. Josef Schuster, in einer guten Atmosphäre in den Shalom Europa-Räumen den symbolischen Scheck über diese Spende. Dieses Geld wird dem Jüdischen Museum Shalom Europa überwiesen. Dr. Josef Schuster dankte Dr. Karl Hillenbrand und der Musikerin Ella Bulatova im Namen der Gemeinde für die wohltätige kulturelle Aktion. Bei der Zeremonie waren der wissenschaftliche Leiter des Museums Prof. Dr. Dr. Karlheinz Müller und die langjährige Geschäftsführerin a.D. der Würzburger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Frau Roza Grimm anwesend.

   
Dr. Karl Hillenbrand, Violinistin Ella Bulatova und Dr. Josef Schuster bei
der Übergabe des Scheck.
   
   
A.Bulatov, E.Bulatova, Dr. K. Hillenbrand, Dr. Josef Schuster,
Prof. Dr. Dr. K. Müller
   
   
Rosa Grimm, Prof. Dr. Dr. Karlheinz Müller Emiliya Orlovska    
 
 
 
Neuer Grundlage und neuer Name für Jüdisches Dokumentationszentrum

Auf eine neue vertragliche Grundlage haben sich der Bezirk Unterfranken, die Stadt Würzburg und die Israelitische Kultusgemeinde für das bisher unter dem Dach von Shalom Europa gemeinsam von Bezirk und Stadt betriebene Dokumentationszentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken geeinigt, Die Vereinbarung wurde am 10. April 2010 von Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Josef Schuster und Oberbürgermeister Georg Rosenthal unterzeichnet.
Das Zentrum ist jetzt nach der Würzburger Volkswirtin und Journalistin Johanna Stahl (1895 -1943) benannt. Sie war u.a. für die Frankfurter Zeitung und die Bayerische Frauenzeitung gearbeitet und 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden.

   
http://www.bezirk-unterfranken.de/presse/10351.Vertragliche_Grundlagen_neu_gefasst_._April_.html

 

 
 
Würzburg Dienstag, 10. Mai 2011
Über 1.000 Menschen gehen den "Weg der Erinnerung" in Würzburg - Gedenken an Judendeportation  
Es ist eines der dunkelsten Kapitel der Würzburger Stadtgeschichte:
Die Deportation Tausender Juden in die Vernichtungslager des NS-Regimes.
Die Erinnerung daran fällt nicht leicht, und gerade deshalb möchte ein Projektgruppe diese Ereignisse wieder ins Gedächtnis rufen – mit ungewöhnlichen Aktionen. Heute gingen weit über 1.000 Menschen aus ganz Unterfranken gemeinsam den "Weg der Erinnerung" in Würzburg.     
 
http://www.tvtouring.de/default.aspx?ID=1565&showNews=964800

 

       
                       
   
   
  Würzburger gedenken am Montag erster Deportation von Juden im November 1941  
 
  Die Israelitische Kultusgemeinde Würzburgs und die Gemein-schaft Sant'Egidio gedenken am Montag (29. November) der Deportation von Würzburger Juden während der NS-Zeit. Mit einem Schweigemarsch ab 18 Uhr vom Kiliansdom durch die Innenstadt bis zum Kardinal-Faulhaber-Platz soll der ersten größeren Deportationswelle vom 27. November 1941 gedacht werden, wie die Veranstalter am Dienstag mitteilten. Das gemeinsame Erinnern von Bürgern aus verschiedenen Generationen und Kulturen soll ein Bekenntnis zum Respekt vor der Würde eines jeden Menschen sowie eine klare Absage an jede Form von Diskriminierung und Antisemitismus sein.
Auf dem Domvorplatz sprechen vor Beginn des Schweigemarschs der katholische Bischof Friedhelm Hofmann und der stellvertretende evangelische Dekan Würzburgs, Gerhard Neumeister. Am Kardinal-Faulhaber-Platz, wo zur NS-Zeit noch die Schrannenhalle stand, von der aus die Deportation der Juden begann, werden der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Josef Schuster, und Klaus Reder von der Gemeinschaft Sant'Egidio sprechen. (Artikel vom 23.11.2010)                            http://www.epv.de/node/7041
     
 
     
   
An der Schwelle: Pater Meinrad Duffner erläutert das Denkmal am  Platz’schen  Garten  Oberbürgermeister  Georg  Rosenthal, Helmut Försch, Stadträtin Benita Stolz, Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake und dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultus- gemeinde Dr. Josef Schuster.
Foto: Georg Wagenbrenner. Mehr...
Erinnerung an Pogrom vor 72 Jahren:   Regierungs- präsident Dr. Paul Beinhofer, Dr. Josef Schuster, Rabbiner Jakov Ebert  und  Oberbürgermeister  Georg  Rosenthal  am  Platz der ehemaligen Synagoge in der Domerschulstraße.
Foto: Georg Wagenbrenner.
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                                                             Festakt zum 100.Geburtstag von  David Schuster sel.A.   Mehr...
 
 
 
   
         
  Nach 36 Jahren wieder in Würzburg                              
Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland traf
sich zu einer Tagung in Würzburg.  Mehr...
  Kulturmedaille für Reiner Strätz       2009   der   Stadt Würzburg  ist  Reiner  Strätz,  der Verfasser des  1989 in zwei Bänden veröffentlichten zweibändigen Werkes „Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945“  Mehr...
 
 
 
 
Ein Museum der besonderen Art: Traditionelles jüdisches Leben, seine theologischen Begründungen und Vollzüge – im Museum Shalom Europa kann man dem, wie diese Schüler des Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasiums Lohr, auf einprägsame Art nachspüren.   Ein Gedenkstein in Izbica:
Die Mitglieder einer Delegation fränkischer Gemeinden haben im polnischen Izbica der Opfer des Holocaust gedacht. Ein von ihnen gesetzter Gedenkstein ist den 1942 nach dort und in die umliegenden Vernichtungslager deportierten Juden gewidmet.  Mehr...
  Ein Stolperstein für Ignaz Rindskopf:
Seit kurzem erinnert ein Stolperstein an den letzten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde vor ihrer endgültigen Eliminierung 1942. Bei der Verlegung des Betonwürfels mit einer mit seinem Namen beschrifteten Messingplatte war auch die Großnichte von Ignaz Rindskopf, Frau Marsha Rehns, anwesend.  Mehr.
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Geschichte der unterfränkischen Juden auf  russisch
Zur Dauerausstellung des  Dokumentationszentrums für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken im Gebäude des Gemeindezentrums Shalom Europa liegt jetzt auch eine Begleitbroschüre in russischer Sprache vor. Es handelt sich um eine von Laryssa Dubovska aus dem Deutschen übertragene Fassung der 2007 vom Stadtarchiv Würzburg herausgegebenen Schrift „Kehillot Keddoschot“ (Heilige Gemeinden). Die von Hans-Peter Baum, Rainer Leng und Robert Meier verfasste Schrift liefert einen ausführlichen Überblick über die Geschichte der unterfränkischen Juden vom Beginn des 12. Jahrhunderts bis in die jüngste Vergangenheit. Die russische Fassung ist im Dokumentationszentrum in der Valentin-Becker-Strasse 11, Würzburg zum Preis von € 4,00 erhältlich.
(September 2009
)
 
Von Kitzingen nach Izbica
Das Stadtarchiv Kitzingen veröffentlicht im Rahmen seiner Schriftenreihe als 9. Band ein eindrucksvolles Buch über die Geschichte der jüdischen Mitbürger in Kitzingen. Das knapp 700 Seiten umfassende Werk schließt nicht nur die Lücke eines düsteren Kapitels der Stadtgeschichte, es zeigt auch den Aufstieg der mainfränkischen Israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen von ihren Anfängen im Jahre 1865 bis zu ihrer Katastrophe 1942. Verfasser ist der Historiker Elmar Schwinger aus Wiesenbronn (Landkreis Kitzingen).
Die auf 13 Jahre intensiver Recherchen fußende Arbeit mit dem Titel „Von Kitzingen nach Izbica – Aufstieg und Katastrophe der mainfränkischen Israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen“ enthält eine Reihe bisher unveröffentlichter über die regionalen Grenzen hinausgehender Erkenntnisse, die auf der Auswertung unzähliger Quellen in- und ausländischer Archive beruhen. Auf zahlreichen privaten Reisen nach Israel, Polen, Tschechien, Lettland und in die USA führte der Autor ausgiebige Gespräche mit jüdischen Zeitzeugen und sah Dokumente aus deren Familienbesitz ein. In Lettland, Tschechien und Polen begab er sich mit Unterstützung Überlebender oder lokaler Sachverständiger auf die Spuren des entsetzlichen Schicksals der mainfränkischen Juden in den ehemaligen Transitghettos und Vernichtungslagern.
Der Kitzinger Bürgermeister Andreas Schmiedel hatte in den 1860er Jahren jüdische Händler in die Stadt geholt, um den daniederliegenden Weinhandel wieder zu beleben. Die jüdischen Zuwanderer kamen voller Energie, gründeten eine Kultusgemeinde und erbauten 1883 eine prächtige Synagoge in der Landwehrstraße. Ihr wirtschaftlicher und sozialer Aufstieg erreichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Höhepunkt, was sich in der größten Mitgliederzahl von knapp 500 Seelen niederschlug. Die katastrophale Niederlage des Ersten Weltkriegs und der sich anschließende wirtschaftliche Zusammenbruch forderten einen „Sündenbock“. Die Nazis verbreiteten die Lüge: „Die Juden sind an allem Schuld!“ Als Hitler an die Macht kam, waren die Weichen gestellt: Zuerst erfolgte die Entrechtung und Enteignung auf dem Gesetzesweg, dann stürzte ein barbarischer Terrorakt, der Novemberpogrom von 1938, die jüdischen Mitbürger in Todesangst und Verzweiflung. Am Ende stand die Deportation der 94 Kitzinger Juden, denen die Auswanderung nicht mehr gelungen war.
Bei der Vorstellung des Buches in einer Veranstaltung aus Anlaß des Holocaust-Gedenktages sagte der Autor, er sehe die Geschehnisse in Kitzingen exemplarisch für ganz Deutschland. Kitzingen sei nicht mehr und nicht weniger antisemitisch gewesen als andere Städte und Gemeinden. „Es ist nur der Ort, an dem das Geschehen gezeigt wird.“ Trotz immer wieder vorkommender rechtsextremer Taten ist der 79-jährige Historiker optimistisch: „Die Bundesrepublik besitzt überzeugte Demokraten und eine Protestkultur gegen Antidemokraten.“...
(Elmar Schwinger, Von Kitzingen nach Izbica, Aufstieg und Katastrophe der mainfränkischen Israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen. Schriften des Stadtarchivs Kitzingen – Band 9, Ma’ayan. Quellen und Forschungen zur Geschichte des ehemaligen Rabbinats Kitzingen – Band 3. 671 Seiten, 98 Abbildungen, gebunden. Erhältlich im Rathaus, im Stadtarchiv und im Buchhandel. Preis 19,80 Euro. (ISBN 978-3-924694-21-0)
 
Literatische Wiederentdeckung einer jüdischen Dichterin
Marianne Dora Rein (1911-1942) war bis vor kurzem nur einem begrenzten Kreis als Dichterin bekannt. Die in Genua geborene und nach dem Tod ihres Vaters in Würzburg aufgewachsene Künstlerin wurde, wie viele ihrer Glaubensgenossen, denen die Ausreise aus Nazi-Deutschland nicht mehr gelang, 1941 deportiert und 1942 in einem Waldstück bei Riga erschossen. Der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken – und hier nicht zuletzt deren rührige Geschäftsführerin Rosa Grimm - ist es zu verdanken, dass jetzt erstmals Texte der Dichterin Marianne Dora Stein und ihres literarischen Umfeldes öffentlich vorgetragen werden konnten. Offizieller Anlass des Rezitationsabends war die zentrale unterfränkische Gedenkfeier der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938.
Die Veranstaltung hob sich von ähnlichen Gedenkfeiern ab, weil im Mittelpunkt das Werk eines Menschen gerückt wurde, dessen Schicksal die seinerzeitigen Ereignisse auf eindrucksvolle Weise nahe brachte.
Die Texte wurden von Bernhard Stengele und Kai Christian Moritz vom Mainfranken-Theater Würzburg rezitiert. Katia Bouscarrut assoziierte dazu auf dem Flügel.
Bisher waren von Marianne Dora Rein im wesentlichen aus der vom Jüdischen Kulturbund herausgegebenen Zeitschrift „Der Morgen“ bekannt. Aus diesen Veröffentlichungen und aus den nach dem Krieg in einem New Yorker Archiv entdeckten Briefen an den jüdischen Schriftsteller Jakob Picard ist ein literarischer Nachlass von über 80 Gedichten und Prosatexten erhalten. In ihren der Naturlyrik zuzurechnenden Texten spiegeln sich ihre Werte, Sehnsüchte und Hoffnungen. Von Rosa Grimm in Haifa gefundene Briefe an zwei Jugendfreundinnen und auch eine in ihrem brutalen Detail erschütternde Gestapo-Akte runden das Bild der Künstlerin und ihrer Lebensumstände auf beeindruckende Weise ab.
Das Publikum war von dem Vortrag der Texte und nicht zuletzt von deren Aussagen stark beeindruckend und dankte mit lange anhaltendem Applaus.
(November 2008)
 
Imposantes ehrenamtliches Engagement
Das Museum Shalom Europa im Neuen Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum Würzburg und Unterfranken registriert eine anhaltend hohe Zahl von Besuchern. Seit seiner Eröffnung im Dezember 2006 waren es bis Ende September 2008 mehr als 13000. Vor allem die Nachfrage nach Gruppenführungen ist beachtlich, darunter zu einem großen Teil auch nach Führungen für Schulklassen.
Dem Anspruch, ein Museum der besonderen Art zu sein, entspricht nicht nur das in Europa einmalige Konzept, traditionelles Judentum in seiner orthodoxen Substanz vor dem Hintergrund einer stolzen Tradition und im Umfeld einer lebendigen Gemeinde zu präsentieren und dabei weitgehend auf die bei derlei Gelegenheiten sonst üblichen musealen Erinnerungsstücke zu verzichten. Es ist auch ein Museum, das seinen bisherigen Erfolg weitestgehend einem beispiellosen ehrenamtlichen Engagement verdankt. Dazu gehört auch ein wachsender Kreis von ehrenamtlichen Führern.

Dieser Kreis ist soeben mit der Vergabe von Führungszertifikaten an 42 neue Museums- und Synagogenführer wesentlich erweitert worden. Insgesamt stehen jetzt 75 ehrenamtliche Führer bereit, die auf der Basis eines anspruchsvollen Ausbildungsprogramms interessierten Besuchergruppen eine kundige und zuverlässige Hilfe zu bieten in der Lage sind.
Das mehrmonatige Ausbildungsprogramm stand wieder unter der Leitung von Profesor Dr. Karlheinz Müller. Organisiert und tatkräftig unterstützt wurde es von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken. Die ehrenamtlichen Museumsführer rekrutieren sich zu einem großen Teil aus nichtjüdischen Freunden der Gemeinde, die ihrerseits wiederum in der Regel auch der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken verbunden sind. Dieser Umstand ist bei der Vergabe der Zeugnisse vom Leiter der Jüdischen Gemeinde, Dr. Josef Schuster, anerkennend gewürdigt worden.
Das Konzept ist in seiner Art beispiellos. Neuerdings kann aber auch vermerkt worden, daß sich nicht wenige unter den neuen (russischsprachigen) Gemeindemitgliedern einem Ausbildungprogramm zu stellen bereit sind, das von ihnen die Beherrschung und das Vermitteln eines Wissenskanons in der Sprache ihrer neuen Heimat verlangt.
Die Öffnungszeiten für das Museum sind Montag – Donnerstag von 10 – 16 Uhr / Sonntag von 11 – 16 Uhr. Der Eintritt kostet Euro 3.-- bzw. ermäßigt für Studenten, Rentner und Ermäßigungsberechtigte ab 18 Jahren sowie Gruppenmitglieder /ab 10 Personen) Euro 2.--. Schüler und Auszubildende zahlen einen ermäßigten Preis von Euro 1,--, Kinder bis tu 10 Jahren haben freien Eintritt.
Führungen sind gegebenenfalls auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Informationen dazu sind unter
Tel 0931-40414-0 erhältlich.
Einzelheiten siehe auch unter Shalom Europa/Das Konzept/Ein Museum der besonderen Art
(Oktober 2008)
 
Die unterfränkischen Judenmatrikel von 1817
Unter dem Titel „Die unterfränkischen Judenmatrikel von 1817“ ist eine für die Regionalgeschichte wie auch für das Verständnis der Lebensbedingungen von Juden zum Anfang des 19. Jahrhunderts wichtige Dokumentation herausgekommen. Sie ist als Heft 13 in der Schriftenreihe des Stadtarchivs Würzburg erschienen. Die darin erfassten Daten und Fakten dokumentieren den Umstand, daß sich nach dem Judenedikt von 1813 auch die unterfränkischen Juden mit der Aufnahme in die für sie geltenden Namenslisten die Türen in Richtung einer beginnenden bürgerlichen Emanzipation zu öffnen begannen. Mit den neu gewährten Freiheiten konnten Juden erstmals in fast allen ihnen bisher verwehrten Berufen tätig werden. Auch Lehranstalten und Universitäten standen ihnen offen. Die Daten wurden von Dr. Dirk Rosenstock gesammelt. Er hat dazu auch eine Einführung geschrieben. Das Heft ist im Buchhandel zum Preis von € 24,80 erhältlich.
(Oktober 2008)
 
Die Bibel, wie Juden sie lesen
Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken hat mit der Herausgabe einer eigenen Schriftenreihe unter dem Titel "Würzburger Einführungen ins Judentum" begonnen. Der erste Band dieser Serie ist dem Thema "Die Bibel, wie Juden sie lesen" gewidmet. Verfasser ist der emeritierte Würzburger Theologe Prof. Dr. Karlheinz Müller. In zehn Kapiteln erläutert er den Umgang der gläubigen Juden mit der Bibel.
Der Band basiert auf einer gleichnamigen Ausstellung in den Räumen der Jüdischen Gemeinde vor vier Jahren, die zahlreiche Besucher angezogen hatte.
Keinem, der ein vertieftes Verständnis der jüdischen Religion sucht, bleibt, so der Vorsitzende der Gemeinde, Dr. Josef Schuster, die Frage erspart: Wie und wo soll man damit anfangen? Spätestens auf den zweiten Blick erscheine es unbefriedigend, die zahllosen Bücher über die Religion der Juden lesen zu wollen, ohne die maßgebenden Bücher der Juden selbst zu studieren. Die wiederum befänden sich auf einem Feld verwirrender Schichtung und Größe, das noch dazu in seinem bestimmenden Zentrum durch und durch hebräisch sei. Die neue Schriftenreihe, so Schuster weiter, wolle "ohne wissenschaftlichen Apparat, aber unter genauer Beobachtung der Halacha, des Minhag und der geschichtlichen Quelle an die Innenseite des gläubigen Judentums heranführen".
Die Absicht der neu konzeptierten und mit einer Vielzahl von Fotos und Illustrationen ergänzten Aussagen ist es, über die eigene Gemeinde hinaus alle anzusprechen, die ein vertieftes Verständnis der jüdischen Religion suchen. Das ist, wie Wolfgang Hose, Ko-Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken e.V., anmerkt, gelungen. Der Band liefere eine wissenschaftlich fundierte Einführung in das Thema. Durchgehend in Farbe gedruckt und mit einem aufwändigen Layout sei er "sehr anschaulich und verständlich" geschrieben.
Erworben werden kann die Schrift zu einem Preis von € 7,50 bei allen Vortragsveranstaltungen der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranke, im Jüdischen Museum "Shalom Europa" sowie bei größeren Bestellungen auf dem Postweg zuzüglich Portokosten. Bestellungen in diesem Falle bitte an Marianne Gehrig, Madrider Ring 72, 97084 Würzburg - Email familiegehrig@gmx.de
(Januar 2008)
 
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