Die Weimarer Zeit und die Schoah (1918-1945)
Mit dem Ende des 1. Weltkrieges und der Monarchien in Deutschland änderte sich auch für die Würzburger Juden das politische und gesellschaftliche Umfeld. Trotz sich bereits zu Beginn der zwanziger Jahre abzeichnender antisemitischer Agitationen konnten sich in Würzburg und anderen unterfränkischen Städten Juden bis zum Beginn der dreißiger Jahre als voll integriert betrachten. Im Handel und in der Industrie erlangten jüdische Firmen große Rollen. Der Anteil von Juden unter den beruflich Selbstständigen war überproportional, beispielsweise bei den in Würzburg niedergelassenen Ärzten und Rechtsanwälten.
Innerhalb der Gemeinde selbst nahmen die Spannungen zwischen den Orthodoxen und den religiös Liberalen ab. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Rabbinerwahl von 1920. Mit 90 % aller Stimmen wurde damals Dr. Siegfried Hanover aus Hamburg, der als weltoffener Orthodoxer galt, gewählt. Rabbiner Hanover amtierte bis 1939, als er in die USA emigrierte. In den dreißiger Jahren wurden die traditionsreichen Nachbargemeinden Heidingsfeld und Höchberg mit Würzburg vereinigt. Nach der Auswanderung von Rabbiner Hanover amtierte als letzter Rabbiner bis zu seiner Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt im Jahr 1942 Rabbiner Magnus Weinberg.  
Jüdische Volksschulklasse in den 20iger Jahren
 
Mit der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 begannen antijüdische Aktionen auch in Würzburg in größerem Stil. Besetzung von Gewerkschaftshäusern und Zeitungsredaktionen, Umbenennungen von Straßen, die „Gleichschaltung“ des Stadtrates und die Entfernung von Oberbürgermeister Hans Löffler, Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte und „wilde KZs“ auf der Festung Marienberg waren dafür die ersten Manifestationen. Ihnen folgten bald massive Boykottaktionen gegen Geschäfte, Praxen und Kanzleien jüdischer Bürger und danach die „Arisierung“ auch von Würzburger Unternehmen. Der vorläufig brutalste Höhepunkt dieser Entwicklung war das Novemberprogrom 1938. Die Inneneinrichtung der Synagoge in der Domerschulstraße wurde verwüstet. Die Heidingsfelder Synagoge durch Brandstiftung vernichtet. Durch Mißhandlungen und Selbstmord kamen im Zuge des Progroms mindestens vier Menschen ums Leben. 300 jüdische Männer aus Würzburg werden in Konzentrationslager eingeliefert. Juden wurden aus dem Wirtschaftsleben endgültig ausgeschlossen. Juden mußten auch in Würzburg den „Judenstern“ tragen. Ihnen werden Mietwohnungen gekündigt und sie wurden in sogenannten „Judenhäusern“ auf engstem Raum zusammengedrängt. Die Israelitische Lehrerbildungsanstalt wurde geschlossen.
Bis zum Spätsommer 1941 war verschiedentlich auch Würzburger Juden gegen Hinnahme einer „Reichsfluchtsteuer“ die Auswanderung möglich. Im November des gleichen Jahres begannen die Deportationen von Juden aus Würzburg und Unterfranken, insgesamt sieben bis Juni 1943, in großem Stil. Nur wenige dieser 2063 verschleppten Menschen überlebten. Im Juni 1943 erklärte die Geheime Staatspolizei Unterfranken als „judenrein“. Ganz wenige sogenannte „Halbjuden“ und „Mischlinge“ blieben.  
 
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